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Der Atem in der Arbeit mit Ängsten

Junger Mann atmet: DER ATEM IN DER ARBEIT MIT ÄNGSTEN

DER ATEM IN DER ARBEIT MIT ÄNGSTEN

Der Atem in der Arbeit mit Ängsten

In der yogatherapeutischen Arbeit mit Ängsten und Stress gibt es viele Möglichkeiten, das Nervensystem, was meist übererregt ist, zu regulieren. Eine bedeutende Rolle spielt der Atem in der Arbeit mit Ängsten. Ein Schlüssel ist hierbei der Fokus auf die Ausatmung. Dies wurde schon im Yoga Sutra des Patanjali beschrieben.

Menschen, die unter Ängsten und Stress leiden, zeigen eine Tendenz, unruhig zu atmen oder den Atem anzuhalten. Für sie ist es wichtig zu lernen, wieder regelmäßig und sanft zu atmen und vor allem gut auszuatmen.

 

Herz und Atmung

Rein physiologisch beschleunigt sich die Herzrate bei jedem Einatmen und verlangsamt sich bei jedem Ausatmen. Die Verlangsamung der Herzrate wird durch den Parasympathikus (Vagusnerv) geregelt, der einen beruhigenden Einfluss auf das Herz hat. Ist er aktiv, so wird die Herzfrequenz gesenkt. Die Einatmung wird durch den Sympathikus angeregt und beschleunigt die Herzrate. Damit wird der beruhigende Einfluss des Vagusnervs gehemmt. Je tiefer und langsamer wir (aus)atmen, desto größer die Wirkung des Parasympathikus. Wichtig dabei ist, dass sowohl die Atmung, als auch die Verlängerung, immer mühelos erfolgen sollten!

 

Der Atem in den Schriften

Schon Patanjali erläutert im Yoga Sutra, einem Text über die Philosophie und Praxis des Yoga, die Bedeutung der Ausatmung.*

In Vers 1.30. des Yoga Sutra spricht Patanjali von neun Hindernissen (Krankheit, Trägheit, Arroganz, Zweifel, Anhaftung, Verblendung, Zögern, Unbeständigkeit und Vernachlässigung), die uns zerstreuen und vom spirituellen Weg ablenken.

In Vers 1.31. führt Patanjali die Folgen bzw. die Begleiter dieser Ablenkungen auf:

 दुःखदौर्मनस्याङ्गमेजयत्वश्वासप्रश्वासाः विक्षेप सहभुवः


duḥkha-daurmanasya-aṅgamejayatva-śvāsapraśvāsāḥ vikṣepa sahabhuvaḥ

Schmerz, Trübsinn, Angst, Körperzittern sowie [unregelmäßiges] Einatmen und Ausatmen sind die Begleiterscheinung dieser Ablenkung. (Übersetzung: M. Govindan)

Was Patanjali hier sagt, ist inzwischen wissenschaftlich bestätigt, nämlich, dass es einen Zusammenhang zwischen einer dysfunktionalen Atmung und Störungen in Körper und Geist (im Sinne dieser Ablenkung oder Verwirrung) gibt.

Die Ruhe im Geist finden wir -laut Patanjali- unter anderem durch bewusste Ausatmung und Anhalten des Atems:

Yoga Sutra Vers 1.34.

प्रच्छर्दनविधारणाभ्यां वा प्राणस्य
 

pracchardana-vidhāraṇa-ābhyāṁ vā prāṇasya

Die ungestörte Ruhe des Geistes wird durch bewusste Ausatmung und Anhalten des Atems erreicht. (Übersetzung: M. Govindan)

 oder auch anders gesagt:

[Die ungestörte Ruhe des Geistes wird erreicht]… durch den Fokus auf die Ausatmung und auf die Stille, die ihr folgt. (Kommentar: Skuban)

Im 2. Kapitel des Yoga Sutra sagt Patanjali:

Yoga Sutra Vers 2.50

बाह्याभ्यन्तरस्थम्भ वृत्तिः देशकालसन्ख्याभिः परिदृष्टो दीर्घसूक्ष्मः

bāhya-ābhyantara-sthambha vṛttiḥ deśa-kāla-sankhyābhiḥ paridṛṣṭo dīrgha-sūkṣmaḥ

Das Ziel der Atempraxis besteht darin, sie zu verlangsamen und zu verfeinern. (Kommentar: Skuban)

oder

Einatmung, Ausatmung sowie Atemhalten wird verlängert und verfeinert durch Kontrolle von Intensität. (Übersetzung: Narada)

Eine Praxis, die den Geist zur Ruhe bringt, also die Übererregung des Nervensystems dämpft, sollte sich durch eine Verlangsamung und Verfeinerung des Atems auszeichnen. In vielen modernen Yogastilen wird jedoch das Atmen und Atemanhalten stark forciert.

Swami J. von www.swamij.com sagt dazu (Yoga Sutra Vers 2.50):

Langsam und subtil sind die Ziele: Das Ziel der Übungen besteht darin, den Atem langsam (dirgha, lang gemacht) und subtil (sukshmah, fein gemacht) zu machen. Es ist sehr nützlich, daran zu denken, dass diese beiden die Ziele sind, unabhängig davon, welche spezifischen Atem- und Pranayama Übungen durchgeführt werden.

 

Der Atem im therapeutischen Yoga

Im therapeutischen Yoga konzentrieren wir uns deswegen auf die Gleichmäßigkeit und Mühelosigkeit der Atmung und auf die sanfte Verlängerung der Ausatmung. Durch die Entspannung entstehen natürliche Atempausen, die nichts mit dem willentlichen Anhalten des Atems zu tun haben.

Yogatherapeutische Techniken zum Verlängern der Ausatmung:

  • Sanftes Ausatmen durch die Lippen, welches den Atemstrom verlängert und verfeinert.
  • Ujjayi - Atemtechnik, bei der die Stimmritze leicht verschlossen wird und so sehr kontrolliert ein- und ausgeatmet werden kann.
  • Bewusste Verlängerung des Ausatmens durch Zählen
  • Ausatmen mit einem Vokal oder Konsonant
  • Ausatmen mit einem Mantra = Mantra Singen

All diese Techniken fördern sanft die parasympathische Aktivität und beruhigen das Nervensystem. Dies ist, laut Patanjali, eine Voraussetzung, um die Gedankenwellen im Geiste zur Ruhe zu bringen. Und dies entspricht dem Zustand, den er „Yoga“ nennt.

Yoga Sutra Vers 1.2.

 योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः
yogaś-citta-vtti-nirodha

Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedankenwellen im Geiste.

 

Wenn Du mehr über das yogatherapeutische Arbeiten bei psychischen und stressbedingten Erkrankungen lernen möchtest, dann schau dir die Integrale Yogatherapie Ausbildung an:

https://nirvanayoga.de/integrale-yogatherapie-yogatherapie-bei-psychischen-und-stressbedingten-erkrankungen/

Modul 4, Yogatherapie bei Ängsten findet vom 26.-28. August (in Präsenz) und vom 9.-11. September (online) statt.

Du kannst alle Module einzeln, oder die ganze Ausbildung buchen.

Wir freuen uns auf dich!

Liebe Grüße, Nirvana

 

*Anmerkung: Das Yogasutra wurde im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder neu kommentiert und übersetzt. Es gibt kaum einen Yogameister, der keine Übersetzung oder Interpretation dieses Werkes vorgenommen hat. Auf Deutsch existieren mittlerweile mehrere Übersetzungen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Auch die dazugehörigen Kommentare gehen je nach Ansicht des Autors weit auseinander.

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